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Langsam komme ich wieder in Fahrt. Die Schleimbeutelentzündung an der Ferse wird stetig besser und ich kann wieder mehr Laufeinheiten in mein Training einbauen. Natürlich stand außer Frage, dass ich am Bergrennen auf meinen Hausberg teilnehmen würde. Nach dem Start hatte ich die ersten 6 oder 7 Kilometer hart zu kämpfen, aber beim Anstieg zum Hirschenstein ging der Knopf auf und ich konnte mich Platz für Platz nach vorne arbeiten. Zum Schluss legte ich noch einen fulminanten Zielsprint hin, so dass ich meinen Sportlerkumpel Bernhard auf der Ziellinie überholen konnte. Mit einem 7. Gesamtplatz war ich sehr zufrieden und ich hoffe das es weiter ausbaufähig ist...
Veranstalter: Skiclub Schwarzach
Datum: 27.08.2022
Zeit: 1:26:57
Strecke: 15,7 Kilometer
Höhenmeter: 640
Platz Gesamt Männer: 7 von 56
Platz AK M45 Männer: 2 von 10
Donnerstag, 29. September 2022 von Winklmeier Markus
1. Racebericht
Mein Lauftraining und vor allem Berglauftraining hielt sich im letzten Jahr verletzungsbedingt etwas in Grenzen. Natürlich wollte ich mir aber den Hirschenstein Berglauf (Veranstalterseite) nicht entgehen lassen. Mit meinem Kumpel Tobi fuhr ich am Samstagmorgen zum Grandsberg hoch. Hier tummelten sich schon einige ambitionierte Trailrunner. Viele davon gehörten zu den Bayronman`s. Auch ich selbst und meine Familie sind Mitglieder bei der coolen Truppe.
Super ist natürlich, dass die Einnahmen aus dem Lauf für Spenden verwendet werden. Insgesamt waren 155 Teilnehmer bei dem, vom Skiclub Schwarzach veranstalteten, Spendenlauf. Ultraläufer Hoch Christian hatte wieder alles perfekt organisiert und viele Helfer vom Skiclub sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Die meisten starteten beim 15,7 km 640 Hm Hauptlauf, aber auch für die Hobbyläufer gab es eine 7 Kilometer Schnupperstrecke.
Angespannt stand ich dann am Start mit vielen bekannten Gesichtern aus der Laufszene. Besonders freute mich, dass auch Jupp, mein langjähriger Trainingspartner mit dabei war. Auch mein Papi ließ es sich nicht nehmen, mich an der Strecke anzufeuern. Brigitte war mit den Kindern in Italien im Urlaub. Hier bekam ich eine Fernunterstützung in Form von Whats App Anfeuerungsnachrichten. Christian erklärte im Race-Briefing die Strecke und Ablauf des Rennens und dann konnte es auch schon auf die 15,7 Kilometer Trails gehen.
Ich startete an vorderster Front und hielt mich zuerst auf dem 2. Platz. Als es zuerst nach oben ging, merkte ich die fehlende Power in meinen Füßen. Auf der geraden Forststraße musste ich Federn lassen und ich wurde buchstäblich überrannt. Bernhard, Tobi und viele andere überholten mich und ich konnte nur hinterher sehen. Bergab nach Höhenberg war es nicht besser, da ich ein schlechter Downhill Läufer bin. Bergauf zum Jägerkreuz wurde ich wenigstens nicht mehr überholt.
Über steinige und wurzelige Trails lief ich dann bergab in Richtung Dampfsäge. Ein steiler Pfad zweigt dann zum Schuhfleck ab. Ich dachte mal wieder ans Aufhören, quälte mich aber trotzdem nach oben. Am Schuhfleck befand sich eine Verpflegungsstation, wo ich trinken und eventuell eine Banane essen wollte. Da meine Platzierung eh schon grottenschlecht war, kam es auf ein paar Sekunden nicht mehr an, oder doch?. Als ich dann ankam, sah ich meinen Papi bei den Zuschauern und 3 Läufer, die sich mit Getränken verpflegten. Als wenn mir mein Hausberg, der Hirschenstein zurufen würde, schaltete ich auf Angriff um und lief ohne mich zu verpflegen weiter. Das hatte den Vorteil das ich die 3 Trailrunner einkassierte und ebenfalls mein Kampfgeist zurück war und das sollte auch so bleiben, bzw. ich wollte wieder Plätze gut machen.
Da ich jeden einzelnen Stein zum Hirschenstein persönlich und beim Namen kenne, lief ich die perfekte Ideallinie bis zum Gipfel. Bergab ließ ich es dann laufen und hängte mich an einen schnellen Läufer vor mir. Über den Mühlgrabenweg erreichten wir teilweise mit einer 3:45 Pace den Schuhfleck. Wieder ließ ich die Verpflegungsstation aus. Für 15,7 Kilometer benötige ich in der Regel auch keine Getränke. Mit unverminderter Geschwindigkeit liefen wir in Richtung Schopf. Als wir auf die erste Frau trafen, überholte ich gleichzeitig meinen Vordermann und die Läuferin.
In weiter Ferne sah ich dann Bernhard, den Ultracycling-Weltmeister. Ein weiteres Ziel war gesteckt. Ich hatte noch knapp 2 Kilometer vor mir und ich wollte Bernhard einholen. Der Abstand war leider fast zu groß. Aber "anything is possible", wie es so schön heißt. Er hat mich, sozusagen seinen Verfolger, noch nicht entdeckt. Ich lief das steile Stück zum Schopf nach oben. Der Abstand nach hinten wurde größer und nach vorne kleiner. Ich gab alles, wirklich alles. Mein Puls war Jenseits von Gut und Böse. Am Schopfgipfel angekommen war Bernhard außer Sichtweite und ich sah die Verfolgungsjagd als gescheitert an. Ich lief bis zur Abzweigung, wo der letzte Downhill ins Ziel am Grandsberg führt. Hier entdeckte ich dann Bernhard wieder, wie er zwischen den Bäumen in Richtung Ziel verschwand.
Eine Chance hatte ich noch. Ich musste den Downhill im Vollspeed ohne Rücksicht auf Verluste meistern. Meine Füße flogen regelrecht über die Steine und Wurzeln. Ein Wunder das ich keinen Abflug ins Gebüsch machte. Ich war Bernhard dicht auf den Fersen und erst jetzt registrierte er, dass er einen Verfolger hatte. Ich setzte meine gesamte Power ein und lief auf ihn auf. Nur noch 10 Meter bis zum Ziel. Ich nahm die letzte Kurve, rannte durch Brennnesseln und war 2 m vor dem Ziel mit ihm gleichauf. Da ich die längeren Füße habe, konnte ich dann mit letzter Kraft einen Schritt vor ihm die Ziellinie überqueren.
Meine Aufholjagd war in ganzer Linie erfolgreich. Zum Schluss sprang mit 1h 26 min 57 sec ein 7. Gesamtplatz heraus. Ich war um 1 1/2 Minuten langsamer als vor 3 Jahren, aber das war sicherlich dem fehlendem Lauftraining geschuldet. Das Ergebnis hätte besser sein können, aber mit meinem unermüdlichen Kampfgeist konnte ich mehr als zufrieden sein. "Come back stronger" und "never give up" sind passende und tolle Sprüche, die immer wieder auf mich zutreffen.
Auf jeden Fall war der Hirschenstein Berglauf ein super Rennen und ich freue mich schon wieder auf das nächstes Jahr...