Salomon 4 Trails 08bis11.07.2015

Salomon 4 Trails 2015 - Platz 91
von 08. bis 11.07.2015
550 Teilnehmer
27 Nationen
140 km
8000 Höhenmeter

Warum macht man so etwas?

Bild

Am Start der 1. Etappe:

 

das frage ich mich auch immer selbst, aber es macht einfach Spaß sich selbst etwas zu beweisen, an die eigenen Grenzen zu gelangen und das Gefühl wenn man über die Zielline läuft ist einfach unbeschreiblich und sofort sind alle Qualen wieder vergessen :-)
Also heißt es wieder einmal: schneller, höher, weiter, extremer. So soll es sein und das Projekt Salomon 4 Trails wurde von mir in Angriff genommen. Deshalb fuhr ich mit meinem Papa am Dienstag nach Berchtesgaden um die Startunterlagen abzuholen und beim Wettkampfbriefing teilzunehmen. Dort wurde uns dann gesagt, das die erste Etappe wetterbedingt auf eine etwas verkürzte Ausweichroute verlegt wurde. Trotzdem waren es noch knapp 25 km und 1450 Höhenmeter :-) Sollte also für den ersten Tag auch reichen...
Also auf gehts zu 4 Tage Trailrunning pur!

Etappe 1: Berchtesgaden - Bad Reichenhall

Nach fast 4 Wochen Erholung in Schottland fühlte ich mich gewachsen für dieses Projekt. Natürlich lief ich auch im Urlaub ein paar Mal, aber meistens wanderten wir, was nicht minder anstrengend war, da ich ja Emma in der Kraxn auf fast jeden Schottischen Berg schleppte :-)
So stand ich dann am Mittwoch bei noch gutem Wetter am Start in Berchtesgaden mit 550 weiteren Verrückten aus 27 Nationen. Die Besten der Besten Trailläufer aus den verschiedenen Ländern und der No Name Winklmeier :-) Natürlich ging ich in die vordersten Reihen und stellte mich gleich mal neben den Vorjahressieger :-) Nach dem Startschuss und Highway to Hell ging es los durch Berchtesgaden mit dem Watzmann im Hintergrund. Zuerst mussten auf einer Straße steil nach oben, bis es relativ gerade auf Wanderwege in Richtung Doktorberg ging. Nach 3 km kam dann die lang ersehnte Steigung :-) Über 6 km und 1000 Höhenmetern führte uns der Störhausweg nach oben. Immer mehr Wolken zogen auf und wir hörten das erste Donnergrollen und Regen setzte ein. Bergauf ging es mir super und war nur am überholen. Ich stellte fest das Stöcke hinderlich wären. Vielleicht teste ich sie mal bei einer nächsten Etappen. Nach knapp 1 1/2 Stunden erreichte ich bei starkem Regen das Gatterl am Störhaus. Von hier ging es einen Singletrail an den Zehnerkaseralmen vorbei bergab. Dann fingen meine Probleme an. Wir kamen auf den Alpinsteig, der über 2,5 km 700 Höhenmeter so richtig steil, teilweise seilversichert und extrem rutschig über Steine und Wurzeln nach unten führt. Irgendwie bin ich bergab zu ängstlich oder ungeübt, so dass ich pausenlos überholt wurde, obwohl ich nicht mal langsam war. Mehrmals setzte ich mich auf den Hosenboden und verstauchte mir bei einem Ausrutscher den Daumen. Da dies aber noch nicht reichte stolperte ich kurz vor Ende des Trails nach vorne und bremste mit dem rechten Knie. Das Blut lief mir bis in die Socken und ich musste die Zähne zusammenbeißen. An der zweiten Verpflegungsstelle an der Holzstube wartete schon mein Papa und feuerte mich fleißig an. Dank dem schwierigem Bergabtrail waren meine Füße Matsch und ich musste tatsächlich kämpfen um in der Ebene einen 5 er Schnitt zu halten. Auf der Ausweichroute lief ich dann in Richtung Bad Reichenhall. Mehrmals kamen noch kürzere Anstiege und ein knackiger über knapp 200 Hm. Ich war ganz schön kaputt und nicht mehr so sicher das ich noch 3 weitere Etappen schaffen würde. Na toll :-) Irgendwie kämpfte ich mich die letzten Höhenmeter bergab bis nach Reichenhall, wo ich zuerst am Festplatz vorbei kam, durch die "Obere Stadt" lief, durch den ursprünglichen Stadtkern, vorbei am Florianiplatz bis zum Zielbogen in der Alten Saline. Völlig erschöpft schleppte ich mich durchs Ziel, wo ich von meinem Papa empfangen wurde und erstmal ein kühles Radler brauchte. Mein offenes Knie wurde im Medical Center gereinigt und versorgt. Die Ärzte taten natürlich alles, damit ich morgen wieder am Start stehen kann :-) Nach einer weiteren Radler, Breze und Apfel sah die Welt schon wieder anders aus. Das Ergebnis kann sich auch sehen lassen. Ich wurde 89. von 375 Männern und 32. von 164 in der Altersklasse Masters Men in 3 Stunden 7 Minuten und 44 Sekunden. Mal schauen ob ich meine Füße für morgen wieder einsatzbereit bekomme....

Ergebnisliste Master Men Etappe 1 Top 40: Platz 32

Etappe 2: Bad Reichenhall - Ruhpolding

Auf geht`s zur 2. Etappe. Motivation: top, Kondition: top, Füße: bescheiden. So fuhr ich mit Papa nach Bad Reichenhall. Auch heute wurde die Strecke wetterbedingt wieder verändert. 150 Höhenmeter wurden uns erspart. Die Kilometer blieben aber gleich. 34 km und 1850 Höhenmeter waren zu bewältigen. Natürlich war ich stolz als ich mich im Startblock A bei den Topläufern wiederfand. Dank der gestrigen Platzierung durfte ich mich zu der Elite gesellen. Um 8 Uhr war der Startschuss und wie auch schon gestern sausten alle los wie Verrückte. Ich tat natürlich das gleiche und für 3 km leicht bergab brauchte ich nur 12 Minuten. Erst dann kam die erste kurze Steigung: 1000 Hm auf 6 km :-) Ich versuchte einigermaßen an einem schnelleren Feld dran zu bleiben. Ich konnte sogar den ein oder anderen überholen. Das Wetter war ideal. 18 Grad und leicht bewölkt. Auf 1386 m unterhalb des Hochstaufengipfels ging es auf einem genialen Singletrail nach Westen. Teilweise war es ziemlich rutschig und ich musste höllisch aufpassen, um nicht über ein Geröllfeld abzurutschen. Wir kamen dann zur Zwieselalm auf 1386 m von wo es über Latschen weiter nach Westen auf der Ausweichstrecke vorwärts ging. Hier war fast kein Laufen möglich, da ich hauptsächlich mit kraxeln über Latschen beschäftigt war. Im Schnitt konnte ich meine Anfangsplatzierung halten. Endlich waren wir am höchsten Punkt mit knapp 1500 Hm angelangt. Ich hatte schon wieder etwas Bedenken wegen dem Downhilltrail, aber heute ging es mir super. Ich wurde nicht überholt und ein, zwei Läufer kassierte ich sogar ein. In Breitmoos tankte ich an der Verpflegungsstation meine Flaschen auf und weiter ging es nach unten. Man glaubt es kaum, aber heute überlebte ich den Trail ohne Sturz und hohem Blutverlust :-) Wir liefen dann durch das Tal ziemlich eben bis Inzell. Heute lief es super. Teilweise war ein 4 er Schnitt auf der Geraden drin und ich lief mich richtig in einen Rausch, da einer nach dem anderen von mir überholt wurde. Soweit die Füße tragen war mein Motto. Bei Kilometer 24 kam dann die nächste Steigung. Teilweise durch Matsch und Schlamm, teilweise auf Forstwegen kämpften wir uns weitere 500 Höhenmeter bis zum Zinnkopf nach oben. Langsam ging mir der Saft in den Füßen aus. Endlich waren es nur noch 5 km bergab ins Ziel. Zuerst tat ich mich ziemlich schwer, erst langsam kam ich wieder in Tritt. Die letzten 4 km flutschen so richtig. Bis ich mich versah lief ich auch schon über die Zielmatte in 4h 16 min 41 sec. Gesamt bei den Männern konnte ich mich auf den 85. Platz verbessern und bei den Masters Men verlor ich einen Platz auf 33. Jetzt hieß es wieder regenerieren um morgen fit zu sein :-)

Ergebnisliste Master Men Etappe 2 Top 40: Platz 33

Etappe 3: Weißbach - Lofer

Schwere Füße, schwere Füße, so schaut es aus :-) Aber da muss man durch. Diesmal habe ich nicht nur meinen Papa als Unterstützung, sondern auch noch meine Mama, Brigitte und meinen größten Fan Emma :-) Was soll da noch schief gehen. Bei Traumwetter und noch angenehmen Temperaturen fuhren wir nach Weißbach an der Alpenstraße. Auch heute fand ich mich im Startblock A wieder. Also muß ich auch beweisen das ich dort hingehöre :-) Mein Ziel wäre nach den 4 Tagen ein Platz in den Top 100. Mal schauen ob es klappt. Heute standen 37 Kilometer und 2100 Höhenmeter auf dem Programm, also kein Zuckerschlecken :-) Nach dem Startschuss um halb 10 Uhr liefen wir in die Weißbachschlucht. Das kristallklare Eiswasser und die aufragenden Felswände bilden eine grandiose Kulisse. Sch... drauf, ich muss 37 Kilometer überstehen :-) Also flog ich über den Singletrail und den Holzbalken. Teilweise war der Steig seilversichert und es ging ganz schön runter, was aber irgendwie keinen Läufer und auch mich nicht interessierte. Nach knapp über 5 km erreichte ich Schneizlreuth, wo mich meine Fans wieder empfingen und anfeuerten. Jetzt ging es erst richtig los. Knapp 1000 Höhenmeter winden sich in zahlreichen Serpentinen durch den steilen Wald bis knapp unterhalb des Gipfelkreuzes des Ristfeuchthorns. Teilweise krabbelte ich auf allen vieren nach oben. Über einen Wurzeltrail gelangte ich zur Sellarnalm. Eigentlich war ich schon kaputt :-) An der Verpflegungsstation 1 gab es alles was das Läuferherz begehrt, von Brot, Wurst, Käse über Gemüse und Obst. Von hier lief ich dann eine extrem steile Forststraße in Richtung Melleck. Bergab wurde ich wieder fleißig überholt, obwohl ich eh schon einen 3:50 er Schnitt lief. Meine Oberschenkel brannten wie Feuer, aber ich biß die Zähne zusammen. Über kleine Wege und Trails ging es weiter nach Unken, wo mich wieder meine Familie erwartete. Emma bekam ein kurzes Küsschen und weiter ging es einen kurvigen Fahrweg zum Dietrichshorn. An Laufen war nicht mehr zu denken. Bei der Steigung war nur noch schnelles Gehen möglich. Die Sonne brannte mir auf die Platte :-) Auf knapp 900 Hm erreichte ich die letzte Verpflegungsstation. Ich füllte diesmal auch Cola auf, da ich einfach fertig war und irgendwie Energie in mich reinschieben musste. Dann kam ein extrem steiler Anstieg, der mich so richtig vernichtete. Ein kurzes Stück ging es dann auf einer Forststraße vorwärts, bis wir auf eine Kuhwiese mit vielen Löchern kamen. Zuerst ging es etwas abwärts, bevor der nächste Anstieg zur Loferer Alm kam. Vor mir sah ich noch kurz die Loferer Steinberge, aber ich hatte zu viel mit mir selbst und dem Trail zu tun, als das ich es genießen konnte. Irgendwann war ich dann bei der Mittelstation der Loferer Almbahnen. Eigentlich wollte ich nur noch runter, aber dann kam ein knackiger Gegenanstieg der mich dann körperlich auf 0 % brachte :-) Irgendwie quälte ich mich einen Downhill die letzten 600 Höhenmeter bis nach Lofer. Kurz vor dem Ziel empfingen mich Brigitte und Emma und im Ziel meine Eltern. Nach 5 Stunden 7 Minuten und 15 Sekunden kam ich als 102. Gesamt und 39. in der Altersklasse ins Ziel. Insgesamt liege ich nach 3 Etappen auf dem 87. Gesamtplatz von über 500 Teilnehmern. Mal schauen ob ich das morgen halten oder sogar verbessern kann :-)

Ergebnisliste Master Men Etappe 3 Top 40: Platz 39

Etappe 4: Lofer - Maria Alm

Der Körper war schwach, der Geist willig :-) Also Schmerzen verdrängen und die letzte Etappe in Angriff nehmen. So der Plan. Mit Papa fuhr ich schon um viertel nach 5 nach Lofer. Meine Mama, Brigitte und Emma werden mich erst im Ziel empfangen, sollte ich es bis dahin schaffen. Und auch bei der letzten Etappe mit 43 Kilometer und 2500 Höhenmeter stand ich wieder im Block A bei den besten 150 Läufern und Läuferinnen. Kurzzeitig war mein Start gefährdet, da ich statt der vorgeschriebenen 1,5 Liter Flüßigkeit nur einen Liter dabei hatte. Bisher hatte ich an der Kontolle keine Probleme, aber diesmal wurde ich abgewiesen. Also musste ich 15 Minuten vor dem Start noch schnell 0,5 Liter Wasser in einem Cafe kaufen und in meinen Trailrunningrucksack packen. Aber dann durfte ich in den Startblock und bis ich mich versah liefen wir auch schon los. Mein Papa machte noch Fotos und feuerte mich an. Auf dem Tauernradweg liefen wir zuerst 2,5 km relativ gerade. Es war nur ein 4:30 er Schnitt möglich, mehr gaben die Füße nicht mehr her. Man merkte allen Teilnehmern die Strapazen der vergangenen Tage an. Dann mussten wir wieder einmal einen steilen Wurzelweg nach oben. Ich kam aber bald in Tritt und langsam flutschte es. Nach 1 Stunde hatte ich die ersten 700 Hm geschafft. Dann führte uns ein Trail immer der Höhenlinie entlang bis kurz vor Hirschbichl. So richtig vorwärts kam ich nicht mehr, aber überholt wurde ich auch nur selten. Alle hatten zu kämpfen. Das Wetter, wie auch die Landschaft waren traumhaft, aber genießen konnte ich schon lange nicht mehr. Ca. 1 km ging ich bis zur Litzalm auf 1310 m, wo die erste Verpflegungsstelle mit kühlen Getränken und Snacks wartete. Ich aß etwas, füllte Getränke auf, lief aber dann auch gleich wieder weiter. Über einen kurzen Downhill gelangte ich auf eine Forststraße auf der ich Gas geben konnte. In der Nähe des Parkplatzes Hintertal wartete schon mein Papa auf mich, der mich motivierte und per Handy Brigitte mitteilte wie die Lage war. Ich meinte nur, das ich das Ding ins Ziel bringen werde :-) Auf Forststraßen teilweise eben, teilweise bergauf gelangte ich zur Kallbrunnalm auf 1454 m. Die Kulisse ist traumhaft, aber für so etwas hatte ich keine Zeit. Über einen schnellen Abstieg erreichte ich den Dießbachstausee auf 1415 m, wo die zweite Verpflegungsstelle war. Nochmals füllte ich Getränke nach. Ich war schon fast 3 Stunden unterwegs, hatte 1400 Hm und 20 km hinter mich gebracht. Für mich war klar, das ich auch den Rest noch schaffen werde. Dafür war ich viel zu motiviert. Klar schmerzten die Füße, aber eigentlich lief ich noch ganz gut und kam dadurch auch zügig voran. Bei ca. 24 km gelangte ich auf einen kleinen Steig, der steil nach oben führte. Ich hielt mich in einer kleinen Gruppe, die alle mein Tempo hatten. An Laufen war bei der Steigung nicht mehr zu denken. Wir kämpften uns 700 Hm bis zum Ingolstätter Haus. Teilweise ging es über Schneefelder und losem Geröll vorwärts. Abgekämpft liefen wir am Ingolstätter Haus vorbei. Zefix, da sitzen Wanderer bei Weißbier und Kaiserschmarrn und ich muß weiter :-) Ab hier befanden wir uns im Steinernen Meer, wo volle Konzentration gefragt war. Es ging nur über kippelige Steine, Geröll, spitze Steine und Schnee. Nur meterweise war laufen möglich, ansonsten war es mehr steigen, klettern und springen. Die 6,5 km bis zum Riehmannhaus auf 2177 m zogen sich ewig. Ich kam durch ein steinernes Tor und stellte fest das ich 2500 Höhenmeter und somit sämtliche Anstiege geschafft hatte. 8 km brauchte ich "nur" noch den finalen Downhill runtersausen, dann hatte ich es geschafft. Es war aber nicht einfach. Ein steiler, seilversicherter und nicht ungefährlicher Steig führte mich nach unten. Alles brannte wie Feuer und tat weh, aber das Ziel war nah. Am Fuße des Steiges befand sich noch eine Verpflegungsstelle, wo ich nochmal einen Schluck Iso nahm. Die letzten 4 km auf einer Forststraße genoss ich mit einem teilweise 3:50 Schnitt. Kurz vor dem Ziel in Maria Alm standen auch schon meine Mama, Brigitte und Emma die mir entgegen jubelten. Die kleine Maus durfte natürlich mit mir durchs Ziel laufen, wo mich auch mein Papa jubelnd empfing. Ich war überglücklich diese letzte Mörderetappe nach 6 Stunden 46 Minuten und 17 Sekunden als 36. in der Altersklasse einigermaßen überlebt zu haben und somit meine Familie wieder in den Arm nehmen zu können, die mich bei all meinen Events immer tatkräftig unterstützen. Dankeschön Mama, Papa, Brigitte und Emma !!!!
Fazit:
Ein Traum so einen Hammertrail in 4 Tagen mit 140 km und 8000 Hm in 19 Stunden 17 Minuten 58 Sekunden als 91. von 550 Teilnehmern zu finishen, aber unbezahlbar mit der eigenen Tochter ins Ziel einzulaufen !!

Ergebnisliste Master Men Etappe 4 Top 40: Platz 36

Ergebnisliste Gesamt:

Wanderung Jufen:

Trotz schwerer Füße wollten wir den schönen Tag nach dem Rennen am Sonntag noch nutzen und wanderten mit Emma in der Kraxn auf den Jufen auf 1150 m. Natürlich kehrten wir in der gleichnahmigen Alm ein und genossen die Aussicht auf Hochkönig und Co. Kurz nach Mittag machten wir uns wieder auf den Heimweg...