Ironman Klagenfurt 26.06.2016

Ironman Austria 2016 in 10:48:17
3,8 km Swim in 1:04:29
Wechsel Swim -> Rad in 6:30
180 km Bike in 5:30:16
Wechsel Bike -> Run in 3:58
Gesamtzeit: 10:48:29
Platzierung AK: 176 von 472
Platzierung Gesamt: 787 von 2869

Ironman Austria oder der Mann mit dem Dampfhammer auf der Laufstrecke :-)

Vorbericht:

Ich könnte schon wieder einen Roman über die mißlungene Vorbereitung schreiben. Ich versuche mich kurz zu fassen, ihr könnt aber auch gerne meine Jammerei überlesen :-) Die Probleme fingen schon vor Wochen an. Meine Hüfte meldete sich immer wieder beim Laufen mit Schmerzen. Aber es war nicht hinderlich. So konnte ich vor 4 Wochen den Ultratraillauf Kine vom Bayerwald mit 52 km und 2700 Hm erfolgreich bestreiten. 3 Wochen vor dem Ironman nahm ich am Deggendorf Triathlon, der dann dank Gewitter ein Duathlon wurde, teil. Auch hier schmerzte die Hüfte und auch nach dem Rennen stellte sich leider keine Änderung ein. Also Laufpause. Beim Schwimmen und Radfahren merkte ich nichts. Nach ein paar Tagen war ich wieder schmerzfrei und so entschloss ich mich beim Herzogstadtlauf auf den 5 km zu starten. Kaum war ich auf der Strecke und der Schleimbeutel an der linken Hüfte machte sich bemerkbar. So ein Sch.... Ich brachte die 5 km zu Ende, aber das ganze war natürlich keine gute Voraussetzung für den Ironman. Ich sollte da ja doch einen kleinen Marathon laufen oder wenigstens wandern. Wieder Laufpause und ich war wieder relativ schnell schmerzfrei. Trainieren konnte ich eh nicht viel, da ich wie immer vor solch einem Event bzw. vor einem Urlaub riesig Stress in der Arbeit hatte. Jeden Tag saß ich schon seit Wochen 10 Stunden in Arbeit um irgendwie meine Projekte auf die Reihe zu bekommen. Meine Stimmung war natürlich nicht optimal. Auch meine Gesundheit litt darunter. Emma hatte auch 2 Tage Fieber, evtl. bekam ich da was ab. Ein paar Tage vor dem Ironman hatte ich ein Kratzen im Hals und Schweißausbrüche beim Schlafen. Das änderte sich leider nicht bis zum Wettkampftag. 2 Tage nach dem Wettkampf, als wir schon in Kroatien waren, bekam ich in der Nacht Fieber und wieder Schweißausbrüche. Tja irgendetwas hatte ich anscheinend auch während des Rennens in mir. Vielleicht lässt sich dadurch mein Einbruch beim Laufen erklären, aber dazu mehr beim Wettkampfbericht. Es geht ja schließlich noch weiter mit Pleiten, Pech und Pannen vor dem Rennen :-) Am Donnerstagabend checkte ich noch mein Rad und stellte fest, das mein Hinterrad mehrere tiefe Risse hatte. Einfach nur zum kotzen, ich brauche einen neuen Schlauchreifen. Freitag um 5 Uhr früh fuhr ich zum Radhändler meines Vertrauens http://www.free-wheels.de/ und stellte ihm das Bike vor die Haustüre und ich fuhr in die Arbeit um meine Projekte abschließen zu können, was mir leider nicht wirklich gelang. Mittag holte ich mein Rad mit neuem Reifen von Marcus ab. Vielen Dank für die schnelle Hilfe. Echt klasse der Support von Free Wheels in Pillnach. Gleich im Anschluß traf ich mich mit meinen Mädels bei Opa und Omi und endlich konnte los gehen...

Anreise, Startunterlagen und Eingewöhnung:

Mit 2 Pausen kamen wir relativ zügig nach gut 5 Stunden im Hotel Sille am Wörthersee in Reifnitz an. Ich packte alles ins Zimmer und fuhr eine kurze Runde mit dem Rad um den neuen Reifen zu checken. Wir trafen dann die anderen, hochmotivierten Athleten von Laufstilanlyse und natürlich meinen Coach Ralf. Am Samstag fuhren wir mit den Jupps zur Wettkampfbesprechung und ich holte noch meine Startunterlagen. Es war heute ganz schön warm. Wir hatten über 30 Grad. Nur gut das für den Ironmantag Abkühlung vorhergesagt wurde. Am Nachmittag legte ich noch eine kurze Schwimmeinheit mit Neo im Wörthersee ein. Später trafen wir uns dann zu einer 20 minütigen Radausfahrt. Gleich danach checkten wir Rad und Wechselbeutel in der Wechselzone ein. Ich versuchte mir die Position meines Rades und Wechselutensilien einzuprägen, was mir anscheinend nicht so wirklich gelang :-) Am Abend saßen wir alle noch beim Abendessen zusammen und Ralf versuchte nochmals jeden in Einzelgespräche zu motivieren und die Rennstrategie durchzugehen. Um 21 Uhr legen wir uns dann schlafen. Leider kratzte mein Hals noch immer und die kurze Nacht wurde sehr unruhig...

Wettkampfbericht: Swim

Um viertel nach drei, noch bevor der Wecker läutete stand ich auf und schlich mich aus dem Zimmer zum Frühstück. Etwas verschlafen saßen wir alle vor unseren Semmeln :-) Ich verabschiedete mich noch von Brigitte, die mit Emma auf der Radstrecke und später Laufstrecke zum Anfeuern kommen wird. Mit Jupp und Andrea fuhren wir zur Wechselzone, wo wir obligatorisch nochmals das Bike und Wechselbeutel checkten. Langsam kam auch ein wenig die Nervosität. Hielt meine Hüfte beim Laufen? Komme ich überhaupt bis zur Laufstrecke? So viel kann schief gehen, was ich ja im letzten Jahr auf Mallorca feststellen musste. Aber trotzdem war ich guter Dinge. Noch vor einer Woche legte ich die schnellste Schwimmzeit auf 3,8 km ever hin. Genau 1h 3 Sekunden. Auch mit meinen 3000 Radkilometern in diesem Jahr musste ich zufrieden sein. Ich fühlte mich bei den letzten Trainingseinheiten gar nicht so schlecht. Ich hoffte schon das ich einen guten 32 er Schnitt, vielleicht sogar 33 er Schnitt auf 180 km und 1600 Hm fahren konnte. Mal schauen. Bald werde ich es sehen :-) Nach ein paar Toilettenbesuchen zur Darmentleerung stand ich dann auch schon mit Neo in der Startzone zu meinem 5. Ironman. Auch hier beim Ironman Austria gab es den Rolling Start. Ich reihte mich bei den Sub 1 Stunde Athleten ein. Vielleicht war es zu verwegen, aber ein Versuch ist es immer wert. Um 6:40 Uhr sprangen die Profis ohne Neo ins Wasser um 6:50 fiel der Startschuß für die Agegroupers. Zügig marschierten die Reihen von Athleten ins Wasser. Bis ich nachdenken konnte war ich ebenfalls im gar nicht so kühlem Nass. Mit Neo fast schon zu warm. Ich kam ganz gut voran. Dank dem Rolling Start gab es kein Gehaue, keinen Kampf ums Überleben, es war relativ entspannt. Ich schwomm in einer 10 er Gruppe. Da um mich herum nicht viele Schwimmer waren musste ich slebst immer wieder die Bojen suchen und häufig die Richtung korrigieren, was mich Zeit kostete. Nach gefühlt einer Ewikeit erreichte ich den finalen 800 m Kanal bis zum Ausstieg. Auch hier lief alles entspannt ab. Vor 2 Jahren als ich das letzte Mal hier startete, glich dies eher einer Massenschlägerei :-) Aber dank der ganzen Lockerheit war meine Schwimmzeit nicht so sehenswert. Klar kam ich entspannt nach 3,8 km aus dem Wasser, aber 1:04:29 war leider um 4 Minuten von meiner geplanten Schwimmzeit entfernt.

Bike:

Ich lief vorbei an den vielen Zuschauern bis zur Wechselzone und schnappte mir den Bikewechselbeutel. Sofort beim Öffnen stellte ich fest, das dies nicht meine Sachen waren. Himmel noch mal was soll das. Ich schaute auf die Nummer am Beutel und sah 1974. Ich hatte doch 1973. Irgendwie brachte ich meine Startnummer mit meinem Geburtsjahr durcheinander. Also wieder zurück, richtigen Beutel greifen und rein ins Wechselzelt.Beim Laufen merkt ich leider meine Hüfte, aber es ging. Zuerst mal schauen das ich den Radpart überlebe. Immer eines nach dem Anderen. Schnell hatte ich den Neo herunten, Helm auf und Schuhe an und weiter lief ich zum Bike. Ich hatte mir gestern noch extra die Position eingeprägt. Nach dem Dixi links und wo lief ich heute hin? Vor dem Dixi links. Ich konnte mich in den Arsch beißen als ich bei der Nummer 1473 stand und das auch nicht mein Rad war. Also weiter in die richtige Reihe. Hier fand ich dann mein Rad brachte es aber nicht aus der Halterung und musste deshalb nochmals auf die andere Seite. Und um noch einen drauf zu setzen lief ich nach rechts anstatt links und das bdeutete wieder ein kleiner Umweg. Trotzdem schaffte ich den Wechsel doch irgendwie in 6:30 Minuten :-) Endlich war ich auf der Radstrecke. Zuerst vorbei an vielen, vielen Zuschauern und dann am Westufer des Wörthersses entlang in Richtung Reifnitz, wo mich Brigitte und Emma schon empfingen. Meine Körper musste sich nach dem Schwimmen erst an die Aeroposition auf dem Rad gewöhnen. Leider merkte ich meinen Hals, als ob was festhängen würde. Das Schlucken tat einfach weh. Ich drückte zum Faaker See hoch und auch der steile Rupertiberg ging ganz gut. Viele fuhren Windschatten, aber ich hielt mich immer mit etwas Abstand zurück. Nach knapp über 2 h 40 min hatte ich auch schon die ersten 90 Kilometer hinter mir. Und ab ging es in die 2. Runde. Aero war jetzt nicht mehr so leicht, da sich mein Genick langsam verspannte. Ein Gruppe von ungefähr 20 Personen überholten mich und ich setzte mich hinten mit Abstand dran. Kurz vor dem Faaker See fing es dann stark zu regnen an. Im Hintergrund hörte man es Donnern. Na toll, als ob das ganze nicht eh schon anstrengend genug wäre. Bergauf schwitzte ich und bergab fror ich, da ich ja pitschnass war. Endlich war ich zum 2. Mal am Rupertiberg angekommen.Den 10 Prozenter schaffte ich nochmals und ab hier konnte ich es laufen lassen. Nach 5:30:16 und einem 32,7 er Schnitt gelangte ich in die Wechselzone. Pünktlich hörte es auch zu regnen auf.

Run:

Diesmal stellte ich mich nicht so blöd beim Wechsel an. Ich fand sofort meinen Platz fürs Rad und auch meinen Wechselbeutel. Nach 3:58 Minuten war ich auf der Laufstecke. Die Zuschauer klatschten frenetisch Beifall, was natürlich riesig Spaß machte. Ich war noch im Soll. Ich dürfte 3h 19 min für den Marathon brauchen um die Sub 10 zu schaffen. Das sollte möglich sein. Ich lief mit einem 4:15 er Schnitt los. Meine Hüfte schmerzte, aber nach ca. 3 Kilometer ließ der Schmerz nach und war auch bis zum Ende des Wettkampfes kein Problem mehr. Ich fühlte mich klasse, meine Füße waren frisch und nach 10 Kilometer hatte ich einen 4:11 Schnitt stehen. Hier kam ich vorbei an Brigitte und Emma, die ein feuchtes Bussi bekam :-) Leider fing mein Magen zu rumoren an. Ich hatte schon Angst das sich ein Häufchen selbstständig machen könnte. Da war meine weiße Wettkampfhose nicht gerade von Vorteil. Bei Kilometer 14 musste ich ein Dixi aufsuchen. Hier musste ich zuerst warten bis ich rein durfte, aber es half leider nichts. So kann man Zeit vergeuden. Ich lief weiter aber es lief nicht mehr rund. Bei Kilometer 17 oder 18 kam er dann, der Mann mit dem Dampfhammer. Er zog so richtig durch und traf mich mit voller Wucht. Ab da war ich einfach nur leer. Ich brachte nichts mehr in mich rein, kein Geel, Cola oder eßbares. Nur Wasser ging schluckweise. Mir war sofort klar, das ich die Sub 10 knicken konnte. Nach 21 Kilometer und schon einigen Gehpausen, war auch die persönliche Bestzeit in Gefahr. Ich quälte mich von Kilometer zu Kilometer. Im nachhinein kann man das schlecht beschreiben. Eigentlich will man aufhören, denkt an nie wieder, aber trotzdem quält man sich weiter. Viele weitere Athleten hatten ähnliche Probleme. Zum 2. Mal kam ich an meinen Mäusen vorbei, die versuchten mich zu motivieren. Zu dem Zeitpunkt war auch meine persönliche Bestzeit schon abgeschrieben. Jetzt hieß es nur noch das ganze ins Ziel zu bringen. Die letzten 5 Kilometer taten so richtig weh. Ich brachte keinen Fuß mehr nach dem anderen. Ich hatte keine Kraft mehr. Winkl wankte aber fiel nicht. Es war ein Kampf mit mir selbst. Beim Film Das Leben des Brian hieß es "Jeder nur ein Kreuz". Ich hatte 10 Kreuze bekommen :-) Ich schleppt mich vorwärts. Wenn ich mal gelaufen bin, dann nur einen 6 er Schnitt. Endlich kam der letzte Kilometer. Nochmal vorbei an Emma und Brigitte und rein in die Zielgerade. Ich war so kaputt, mir war Schwindlig, der Magen rebellierte, aber im Zielbogen schaffte ich tatsächlich noch einen Winkl X-Jump nach 3,8 km Swim, 180 km Bike, 42,2 km Run und 10h 48 min 17 Sekunden. Endlich stehen bleiben und hinsitzen. Nach einem Bier, einer Dusche und einer Kleinigkeit zum Essen sah die Welt schon wieder viel besser aus :-) Ich war froh meine Mäuse zu sehen und in den Arm zu nehmen...

Fazit:

Ironman Austria 2016 ist nun Geschichte. Dies war mein 5. Ironman und mein 4. Finish. Weiß nicht genau ob ich den Wettkampf positiv oder negativ sehen soll. Bin mit vielen Qualen nach 10 Stunden 48 Minuten und 17 Sekunden ins Ziel. Positiv war natürlich das Finish auch wenn ich meine angepeilte Zeit weit verfehlt hatte dafür hielten sich meine Hüftprobleme in Grenzen :-) Swim & Bike & die ersten 18 Run Kilometer waren so ziemlich das was ich mir vorstellte, aber dann stand der Mann mit dem Dampfhammer an der Ecke und schoß mir dermaßen eine. Jetzt wird es negativ :-) Von einer Sekunde auf die andere war kein Lauf mehr möglich, die Füße schmerzten, Magenproble, Dixiklobesuch, Kreislauf am Ende, nur noch wandern möglich. Aber im Ziel kam gleich der Gedanke, wann gibt es eine neues Spiel und neues Glück :-) Jetzt sind wir erstmal in Kroatien auf der Insel Krk zum Erholen :-) Vielen Dank an meine besten Mäuse der Welt, Emma und Brigitte Winklmeier für die hammermäßige Unterstützung und natürlich vielen Dank an den besten Coach Ralf Preissl für die Motivation, Trainingspläne und viel, viel Geduld :-)
P.s. Auch alle anderen Laufstilanalyseathleten kamen ins Ziel und erreichten super Ergebnisse. Am meisten freute es mich natürlich für meinen Kumpel Jupp der sich seinen Traum vom 1. Ironmanfinish erfüllen konnte und für Klaus der sich die Qualifikation für Hawaii als Sieger seiner AK sichern konnte.

Ergebnis:

Swim + Bike:

Run:

Wechsel:

Strecke Bike: