Inferno Triathlon Schweiz 17.08.2013

Hart, Härter, Inferno Triathlon

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Tribikeabgabe

 

Inferno - mein bisher härtester Wettkampf: 3,1 km Swim, 97 km 2200 Hm Bike, 30 km 1200 Hm MTB, 25 km 2200 Hm Run mit Ziel Schildhorn auf 2970 m in 13 Stunden und 15 Minuten. Als ich mich letztes Jahr für dieses Event angemeldet hatte, wusste ich nicht so recht was auf mich zukommen würde. Ich kann schon mal vorab sagen, es gab noch nie ein Event bei dem ich so häufig ans Austeigen gedacht hatte. Aber nun mal von vorne. Am Mittwoch Nachmittag ging ich von der Arbeit raus und merkte ein leichtes kratzen im Hals, was mich noch nicht beunruhigte. Als ich dann am Donnerstag früh schweißgebadet und verschnupft aufwachte, rechnete ich schon fest mit einem Nichtantritt. Ich hielt mich an diesem Tag ziemlich ruhig und wartete auf die Nacht. Freitag um halb 6 Uhr klingelte der Wecker. Es ging mir so lala, aber ich entschied das wir als erstes die Reise in die Schweiz antraten. Brigitte fuhr die gesamten 600 km bis zum Thuner See in den Berner Alpen. Unser erstes Ziel war Oberhofen, wo die Wechselzone fürs Roadbike war. Hier gab ich mein Tribike ab (großer Fehler: bei insgesamt 2200 Hm mit teilweise 15 % Steigung wäre ein Rennrad angesagt gewesen). Bei herrlichem Wetter fuhren wir weiter bis nach Grindelwald, wo ich dann mein Mountainbike deponieren konnte. Hier hatten wir schon eine wahnsinns Aussicht auf die Jungfrau, Mönch und Eiger. Als letzes fuhren wir dann nach Stechelberg, wo ich meinen Runbeutel abgeben konnte. Langsam wurde mir immer mehr bewusst, was dieses Event bedeutet. Es wird hart werden. Zum Einen war ich gesundheitlich angeschlagen, der Ironman Ende Juni steckte sicherlich noch in den Füßen und in den letzten Wochen konnte ich fast nicht mit dem Rad trainieren, da wir ja 2 Wochen auf Hochzeitsreise waren und ich dort nicht die Lust und Möglichkeit hatte und auch die anstrengende Olpererbesteigung letzten Sonntag war sicher auch nicht optimal. Mittlerweile war es schon 16 Uhr, als wir im super schönem Hostel von Lauterbrunnen ankamen. Fritz und Westy mit ihren Mädels waren ja schon einen Tag vorher angereist. Am Abend fuhren wir dann alle zusammen mit der Seilbahn nach Mürren, ein autofreies Bergdorf oberhalb von Stechelberg. Hier fand im Sportzentrum die Pastaparty und Wettkampfbesprechung statt. Uns wurde nochmals der gesamte Ablauf erklärt. Die Wassertemperatur betrug 17 Grad, das Wetter sollte schön werden mit bis zu knapp 30 Grad, nur Abends könnten Gewitter auftreten. Insgesamt waren knapp 400 Teilnehmer und innen am Start. So viele Verrückte auf einen Haufen....

Bei der Radabgabe und Wettkampfbesprechung:

Raceday - Schwimmstart:

Um halb 5 mussten wir raus aus den Federn. Meine Nase war zu, der Hals schmerzt, na toll, aber ich entschied mich zu starten und eventuell auszusteigen. Nach kurzem Frühstück fuhren wir gemeinsam nach Thun, wo der Schwimmstart war. Um kurz vor 6 Uhr trafen wir dort ein. Es war noch dunkel und ich hoffte das es bis um halb 7 Uhr heller wurde, da ich nur eine dunkle Schwimmbrille dabei hatte. Um kurz vor halb 7 standen wir auch schon im Neopren am Start. Wasserstart war angesagt. Startschuß und Go zum bisher härtesten Event in meinem Leben. Ziemlich schnell zog sich alles auseinander. Es war schon relativ hell, so das ich bei dem klarem Wasser sehr gut sehen konnte. Ich fand eine Schwimmerin, die ungefähr mein Tempo hatte und hielt mich fast die gesamten 3,1 Kilometer in ihrem Wasserschatten. Eigentlich ging es ganz gut, aber der Hals kratzte noch etwas. Nach 59 Minuten kam ich dann in Oberhofen unter Beifall der Zuschauer aus dem Wasser. Raus aus dem Neo und rauf aufs Bike. Gleich nach 200 Metern ging es steil nach oben, so das ich vor lauter schalten und Schuhe einklicken an einen Zaun fuhr. Irgendwie konnte ich mich noch auf dem Rad halten und weiter ging es. Meine Füße fühlten sich schwer und unausgeruht an. Ganz klar, den Roadbikepart mache ich noch aber dann steige ich aus. Heute ist kein Tag für ein Finish....

Raceday - Roadbike:

Immer weiter fuhren wir noch oben. Ich wurde fast nur überholt. Irgendwann kam dann Westy, der regelrecht an mir vorbeischoss. Ok, nach ca. 10 Kilometer und 800 Höhenmetern war ich schon fertig mit der Welt. Na gut runterrollen konnte ich ja noch. Nach einer raschen Abfahrt, erreichte ich Interlaken. Am Nordufer des Brienzer Sees verlief die Strecke ohne Höhenmeter bis Meiringen. Die 40 Kilometer packte ich ganz gut, aber dann kam der Hammer. Auf ca. 15 Kilometer kamen 1400 Höhenmeter mit teilweise 20 % Steigung bis zur Großen Scheidegg. Bei Kilometer 70 konnte mich dann Fritz überholen. Ich quälte mich diesen drecks Berg hinauf und schwor mir, das ich in der Wechselzone MTB aussteige und dieses Jahr kein einziges Event mehr bestreite, vielleicht nie wieder eines. Nach unendlich langer Zeit erreichte ich dann die große Scheidegg auf 2000 Höhenmetern. Kurvig und steil ging es dann nach unten. Meine Bremsen glühten und quietschten was das Zeug hielt. Fix und alle erreichte ich dann nach 97 km 2200 Hm 4 Stunden 48 Minuten die Wechselzone. Ich konnte kaum mehr gehen, alles tat mir weh, aber trotzdem stieg ich auf das Mountainbike...

Raceday - Mountainbike:

Zuerst musste ich ein paar hundert Meter auf einem Trail fahren, bevor es sofort steil nach oben ging. Meine Füße waren Matsch. Ich hatte nur noch den Gedanken ans aufhören. Ich strampelte trotzdem weiter nach oben. Die Bergkulisse ist gigantisch, aber zu dem Zeitpunkt konnte ich nichts damit anfangen. Auch auf dem Mountainbike wurde ich immer wieder überholt und in der Platzierung durchgereicht. Das Ziel kleine Scheidegg auf 2100 Metern war unendlich weit weg. Zuerst fuhren wir noch auf Teerstraße und dann Schotter, was mir noch schwerer fiel. Nach gefühlten 100 Stunden biken nach oben fuhr ich wieder auf Fritz auf. Auch er hatte große Probleme und wir beschlossen nicht mehr auf die Laufstrecke zu gehen. Wir waren beide einfach zu kaputt, aber erstmal mussten wir auf die kleine Scheidegg gelangen. Dann sahen wir die Passhöhe. Die letzten 200 Höhenmeter schoben fast alle, da es einfach zu steil war. Oben trank ich erstmal und aß etwas in der Verpflegungsstation. Von nun ging es zuerst einen Forstweg nach unten. Alleine das Bremsen war anstrengend. Nach 1000 Höhenmetern bergab ging es einen schmalen Trail in den Wald, noch steiler nach unten. Ich kam ins rutschen, bremste mit der Vorderradbremse und schon machte ich einen Salto vorwärts. Scheiße dachte ich, jetzt ist Schluß, ich mag nicht mehr. Trotzdem stieg ich, nur mit ein paar Kratzern, wieder aufs Bike und fuhr bis ins Tal. Wir mussten dann noch 5 Kilometer auf der Straße bis nach Stechelberg zur letzten Wechselzone. Ich benötigte bei diesem Part für 30 km 1200 Höhenmeter 2 Stunden 59 Minuten. Hier kam kurz hinter mir auch Fritz an. Na gut auf die Laufstrecke gehen wir noch, aber in Mürren wollte ich aussteigen...

Die Mädels auf dem Weg zum Schildhorn:

Raceday - Run:

Raus aus der Wechselzone und ab auf die Laufstrecke. Unsere Mädels müssten ja auch schon langsam auf dem 2970 m hohen Schildhorn eingetroffen sein. Sie wollten nach dem Frühstück loswandern und uns im Ziel auf dem Gipfel empfangen. Mich trennten also nur noch 2200 Höhenmeter und 25 Kilometer vom Ziel und Brigitte. Mit Matschbeinen lief ich dann los. Die ersten 5 Kilometer bis nach Lauterbrunnen waren flach und ich konnte einen 5 er Schnitt halten. In Lauterbrunnen ging es dann gleich mal steil nach oben und es war nur noch zügiges gehen möglich. Mein erstes Ziel war das auf 1600 Metern gelegene Mürren. Hier nahm ich mir fest vor auszusteigen. Ich quälte mich, kämpfte, schrie mich selbst an und erreichte nach insgesamt über 11 Stunden das Sportzentrum. Kurz vor Mürren war es wieder etwas flacher und ich konnte wieder Laufen, so weit man einen 8 er Schnitt Laufen bezeichnen konnte. In Mürren wurde von einem Moderator und vielen vielen Zuschauern angefeuert, was mich wieder motivierte. Ich schaute auf die Uhr. Es war 17:40 Uhr. Die Cut Off Zeit war bei 20:30 Uhr. Ich hatte noch 8 Kilometer und 1400 Höhenmeter vor mir. Es sollte aber zu schaffen sein. Ich dachte mir, scheiß auf alle, ich zieh das jetzt durch, ich komme auf diesen blöden Gipfel und wenn es das letzte ist, was ich tue. Gesagt getan ich quälte mich weiter. An Laufen war bei dieser Steigung nicht mehr zu denken. Kampf war angesagt. Extremer Kampf mit mir selbst und dem Berg. Ich sah wie sich auch alle anderen Athleten auf der Strecke quälten. Irgendwann kam ich dann zur Schilthornhütte auf 2500 m. Ich war restlos am Ende. Immer wieder hatte ich Schwindelanfälle. Ich konnte mich kaum noch auf den Füßen halten, trotzdem kämpfte ich mich weiter nach oben. Mit Cola, Caros Pampe und Salztabletten versuchte ich den körperlichen Verfall zu verlangsamen. Um ca. 19 Uhr sah ich dann den Gipfel vor mir. Steile Felsen und unendliche Höhenmeter musste ich noch überwinden, aber er kam näher. Langsam wurde mir klar. Ich komme vor der Cut Off Zeit ins Ziel. Die letzten 200 Höhenmeter musste ich teilweise über Felsen klettern. Immer wieder hielt ich an, da mir schwindlig war und ich kaum noch vorwärts kam. Auf einmal stand ich kurz vor dem Gipfel (2970 m) mit seiner riesen Aussichtsplattform und Restaurant und ich war wieder voll da. Mir erhobenen Armen lief ich durchs Ziel und freute mich unendlich Brigitte zu sehen und dieses wahnsinns Event geschafft zu haben. Insgesamt benötigte ich 13 Stunden, 15 Minuten und 54 Sekunden, d.h. 45 Minuten vor der Cut Off Zeit kam ich ins Ziel. Ich wurde Gesamt 201. und schaffte in der Altersklasse den 96. Platz. Westy schaffte das Event sensationell mit 10 Stunden und 58 Minuten und Fritz kam knapp nach mir ins Ziel. Aber die Zeit ist bei solch einem Event zweitrangig. Jeder Finisher ist ein Sieger. Im Ziel spielten sich noch Dramen ab. Athleten kippten um, benötigten Infusionen und übergaben sich in der Seilbahn. Einfach nur krass...
Fazit: Für mich das bisher härteste Event in meinem Leben, bei traumhafter Bergkulisse in der Schweiz und ich war überglücklich das ich es durchgezogen und gefinished hatte !!

Finish:

Ergebnis Gesamt:

Fotoalbum:

Inferno Bilder:

Zieleinlauf:

Sonntag: Trümmelbachfälle

Am Sonntag nach dem Event schliefen wir erstmal bis um 8 Uhr. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns noch von den Anderen. Im Anschluß holten Brigitte und ich meine Räder in der Wechselzone ab und besichtigten dann die herrlichen Trümmelbachwasserfälle. Kurz vor Mittag traten wir dann die Heimreise an.

Wasserfälle und Heimfahrt:

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